Ausstellung „Gabriele Münter – Menschenbilder“

Sich selbst, den anderen und die Welt im Portrait erkennen - Kunstreise ins Bucerius Kunst Forum


Gabriele Münter bezeichnete die Portraitmalerei als „kühnste und schwerste […] Aufgabe für den Künstler“. Das Hamburger Bucerius Forum zeigt einen umfangreichen Querschnitt des Portrait-Schaffens der Künstlerin, die sich zeit Lebens auch dieser Gattung in unterschiedlichen Techniken widmete. Stefanie Reimers führte die Gruppe der Seniorenakademie durch die Bildnisse, indem sie den kunsthistorischen Hintergrund – vom Impressionismus über den Expressionismus, den sie mitbestimmte, und die Neue Sachlichkeit bis zur erzwungenen Menschenverherrlichung (NS Zeit) – erläuterte. Dabei bezog sie zum einen die historischen Bedingungen der Entstehung mit ein, zum anderen stellte sie immer wieder Bezüge zur biographischen Situation Münters (1877 – 1962) her. Insbesondere ihr Verhältnis zu Kandinsky bestimmte eine Zeitlang das Schaffen. In den Bildnissen lässt sich auf diese Weise eine Reflexion ihrer selbst und der Zeit erkennen.
Als Frau fand Münter in der Kunstgeschichte erst spät Anerkennung, die auch nicht dem Maß der (männlichen) Künstler-Kollegen entsprach. So wird sie in der renommierten „Geschichte der Kunst“ von Ernst H. Gombrich (Auflage 1992) nicht einmal erwähnt! Um so glücklicher kann jetzt der Ausstellung in Hamburg gefolgt werden.

Die Besucher waren Stefanie Reimers für ihre erhellenden und kenntnisreichen Erläuterungen dankbar. Und erkannten sicher auch in dem einen oder anderen Portrait Grundzüge ihrer selbst wieder.

Text und Fotos: / Michael Leberke
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