Kunstreise in die Hamburger Kunsthalle: Caspar David Friedrich: Kunst für eine neue Zeit

Vom Maler mit den Puschen zur Ikone der Romantik

Er soll ein Kauz gewesen sein: Ein Bildnis Kerstings zeigt ihn an seiner Staffelei in seinem leeren Atelier, das Fenster halb abgedunkelt, malend und mit „Puschen“ an den Füßen. Lange Zeit verkannt, wird die Hamburger Kunsthalle nun „überrannt“ mit Besuchern. Zum 250. Geburtstag wurden umfangreiche Ausstellungen in Hamburg, Berlin, Dresden und New York konzipiert: Der Mann mit den Hausschuhen ist zur Ikone geworden!
Stefanie Reimers erläuterte die bekanntesten Bilder Friedrichs, indem sie seine Biographie, die Zeitgeschichte, das Kunstverständnis der Zeit und die Friedrich-Rezeption heranzog. Aufgewachsen in Greifswald, studiert in Kopenhagen und Dresden, brach er mit der Kunst (insbesondere der Naturmalerei) des Klassizismus und des Barocks. Er konstruierte Landschaften, die er aus verschiedenen Elementen seines Skizzenbuches zusammensetzte. Seine Zeitgenossen konnten mit der Kunst für die neue Zeit nichts anfangen. (Was ja auch heute noch oft so ist.) Förderer wie Goethe und der preußische Hof machten ihn bekannt, bis er in Vergessenheit geriet und erst 1906 wiederentdeckt wurde.
Seine Bilder zeigen sich offen für eine vielfältige Interpretation. Biographische Aspekte wie der Tod des Bruders lassen in den Bildern Hoffnungslosigkeit und religiöse Sehnsucht in den Vordergrund rücken, seine Darstellungen der Menschen in altdeutscher Tracht zeigen den Protest gegen Napoleon, die Einsamkeit der Figuren nimmt den Betrachter mit in die Begegnung mit der mächtigen Natur, Sonnenuntergänge oder -aufgänge werden als Hoffnung oder Verzweiflung gedeutet. Die Offenheit der Malerei ist sicher ein Grund für sein Erfolg.
Als Romantiker wendet er sich gegen die rationalistische Form der Welterfassung, „der Weg geht nach innen“, das Gefühl steht im Mittelpunkt der Welterfassung, und diese Forderung stellt er auch an den Künstler:

„Der Maler soll nicht bloß malen, was er vor sich sieht, sondern auch, was er in sich sieht. Sieht er aber nichts in sich, so unterlasse er zu malen, was er vor sich sieht.“

Text und Photos: Michael Leberke
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