Wie sieht die Situation der Generation 60+ im Jahre 2023 aus?

In der Hansestadt sind zur Wahl des Seniorenbeirats 2023 rund 67.000 Frauen und Männer über 60 Jahren aufgerufen[1]. Bei einer Einwohnerzahl von ca. 220.000 sind das etwa 30% der Gesamtbevölkerung Lübecks! Und die demographische Entwicklung zeigt an, dass es im Jahre 2040 10.000 alte Menschen mehr sein werden[2].
Die alternde Gesellschaft bringt gesamtgesellschaftliche Probleme mit sich, die bekannt sind:
Rentensicherung, adäquate Wohnmöglichkeiten, Pflegeplätze, fehlende Pflegekräfte, Facharbeitermangel, Pauperisierung, Einsamkeit, ärztliche Versorgung, fehlende nahe Einkaufsmöglichkeiten. Hier ist das politische Handlungsfeld, dem sich die Verantwortlichen zu stellen haben.
Die andere Seite einer alternden Gesellschaft zeigt diese Generation als „Silver Agers“, die aufgrund ihrer gesicherten materiellen Situation in der Lage sind, zu reisen (Wohnmobil, Kreuzfahrten …!), Restaurants zu besuchen und einzukaufen. Eine Gruppe der Gesellschaft, die stark über Konsum definiert wird.
Überspitzt gesagt, zeigt sich das klischeehafte Altersbild als Versorgungs- oder Konsumentenfall, meist also innerhalb eines Feldes monetärer Betrachtung und Interessen.
Der Bereich der sozialen Tätigkeit dieser Generation taucht nur am Rande auf. Viele junge Familien sind über die Unterstützung der Großeltern dankbar und oft auf sie angewiesen. Der Ausfall der Kindergärten und Kitas kann als ein Beispiel gelten: Wenn beide Eltern arbeiten (müssen), ist ein solcher „Versorgungsnotstand“ eine kleine Katastrophe. Urlaub haben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht 12 Wochen im Jahr wie Schülerinnen und Schüler; hier springen die Großeltern (meist ja gern) ein; Urlaubsfahrten von Großeltern mit Enkeln gehören in der Ferienzeit zum Alltag des Tourismus. Innerfamiliär spielt die Pflege und Versorgung auch bei pflegebedürftigen Angehörigen eine sicher ebenso große Rolle: Kinder pflegen Eltern, Alte pflegen Alte…
Tätigkeiten als Ehrenamtliche gibt es reichlich, viele Bereiche unserer Gesellschaft würden ohne diese unentgeltliche Unterstützung der älteren Generation nicht funktionieren! Diese Aktivitäten werden in den letzten Jahren zum Glück wesentlich mehr beachtet.
Zudem gibt es in Lübeck ein großes kulturelles Angebot in Form von Theatern, Museen, Ausstellungen und Vorträgen (Gemeinnützige…), das häufig in der Mehrzahl von der älteren Generation genutzt wird. „Grauhaarige“ bilden die Mehrheit der Besucher.

Die konkrete Welt des Alters ist wesentlich differenzierter, als ein eingeschränktes Altersbild es zeigt.


[1] LN, 19.04.2023
[2] Statistische Nachrichten Nr. 42, Bevölkerungsprognose 2040, hrsg.: Hansestadt Lübeck, Kommunale Statistikstelle, Tabelle 3, S. 8

Weiterlesen: 2. Bildung im Alter


Photos und Text: Michael Leberke
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