Vergessene Frauen – Geniale Frauen

Besuch des „Bucerius Kunst Forums Hamburg“ zur aktuellen Ausstellung.

Kunstreise am 01.11.2023

Bekannte geniale Künstler: Wer fällt Ihnen ein? Mit dieser Aufforderung begrüßt das Foyer des Bucerius Kunst Forums in Hamburg seine Besucher und Besucherinnen. Und meist sind es Männer, die genannt werden. In den Kunstgeschichten werden zu überwiegenden Teil Männer als Künstler besprochen.
Erst seit einigen Jahrzehnten gibt es dazu eine (weibliche) Forschung. Und manche dieser Ergebnisse werden in Hamburg vorgestellt. Und die sind oft überraschend. Fachkundig und mit viel Elan führte Stefanie Reimers durch die Ausstellung, indem sie die historischen und materiellen Schwierigkeiten erläuterte, die dazu führten, dass Frauen als Künstlerinnen nicht in Erscheinung traten. Besonders in Deutschland – anders als in vielen europäischen Ländern – war die Mitgliedschaft von Frauen in Gilden, Zünften und Akademien im Mittelalter nicht erlaubt. Die Renaissance drängte Frauen in ganz Europa in ihre „angestammten“ Rollen: Familie, Haushalt, Kinder. Sollte eine Künstlerin erfolgreich sein, ging es oft nur über eine Tätigkeit am Hofe (der Adel schmückte sich gern mit Hofdamen als Künstlerinnen) oder über die Ausübung der Kunst im Geschäft des Ehemannes, Buders oder Vaters.

Betrachtet man die gezeigten Bilder vom 16. Bis zum 18. Jahrhundert, wird deutlich: Unterschiede gibt es nicht, wie eine Gegenüberstellung der Werke mit gleicher Thematik zeigte. Eine Einordnung männlich – weiblich, genial – laienhaft geht fehl. Oft waren die Malerinnen innovativer als die Männer.

Und so werden die Kunstgeschichten der Zukunft erweitert werden müssen mit den Namen und Werken der Künstlerinnen, die uns bislang noch nicht geläufig sind: Laviana Fontana, Mary Beale, Maria Katharina Prestel und und und …

Und wenn dann wieder gefragt wird nach großen Künstlern, fallen hoffentlich auch die Namen der großen Künstlerinnen.


Text und Photos: Michael Leberke
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