Jutta Hager / Märchen.
Erlösung durch ein Zauberwort

Besen, Besen, sei´s gewesen!“ Mit diesem „Zauberwort“ wird der Zauberlehrling vom Meister erlöst. So passiert es in der Ballade vom „Zauberlehrling“ bei Goethe. Und dieses Gedicht durfte natürlich nicht fehlen, als Jutta Hager in ihrer „Märchenstunde“ Geschichten erzählte, in denen „vor einem geheimen Wort das ganze verkehrte Wesen“ fortfliegt.
Immer wieder taucht in den Volks- und Kunstmärchen das Motiv der Grenzüberschreitung auf, die zur Folge hat, dass der Verursacher in Not und Bedrängnis gerät. Eine Rettung aus eigener Kraft ist oft nicht möglich, Zauberer oder verzauberte Tiere müssen eingreifen und den Ehrlichen und Schönen vor dem Bösen oder aus seiner selbstverschuldeten Gefahr erretten. Und dazu bedarf es des vergessenen Zauberwortes.
Grimms Volksmärchen „Der süße Brei“ zeigt eine verheerende Wirkung, als der Brei nicht aufgehalten werden kann und die Stadt verschlingt. Im Kunstmärchen „Kalif Storch“ von Wilhelm Hauff muss das Böse besiegt und bestraft werden, indem die in eine Nachteule verwandelte Prinzessin eingreift. Und im schottischen Märchen ist es eine „gute Hexe“, die ihren gierigen Mann erlöst.
Bedenkt man unsere momentane Wirklichkeit, sind es sicher Wunschvorstellungen, dass es eine gute Lösung so einfach gibt. Es wäre „wie im Märchen“. Aber Grenzüberschreitungen, Gier und Gefährdung durch das Böse sind allen Menschen bekannt.
Jutta Hager hat mit ihren Erzählungen der Märchen wieder einmal gezeigt, dass sich in dieser Gattung tiefe Veranlagungen des Menschen verbergen. Im Märchen werden sie offenbar.


Text und Photos: Michael Leberke
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