Annette Gahn: Johann Friedrich Overbeck
Kunst aus dem christlichen Glauben heraus

Das „Selbstbildnis mit Bibel“ von 1808/09 zeigt, wie Johann Friedrich Overbeck sich selbst und seine Kunst verstanden hat: die geöffnete Bibel in der Hand, die weiße Leinwand vor sich, das Malwerkzeug parat: Die Inspiration für sein Werk war die Überlieferung der Bibel. Mit genauer und detaillierter Betrachtung der Bildnisse Overbecks erläuterte Annette Gahn, wie die Kunst des in Lübeck geborenen Künstlers der Romantik zu verstehen sei.

Im Zentrum ihrer Ausführungen stand das große Gemälde „Beweinung Christi“, das in der Alen-Kapelle in der St. Marien-Kirche hängt. Mehr als zehn Personen stehen oder sitzen vor dem Leichnam Jesu nach der Grababnahme. Als Betrachter:in steht man mit der Frage des „Who is who?“ davor. Overbeck nahm die wesentlichen Figuren aus den verschiedenen Evangelien und gruppierte sie zu einem Andachtsbild um den Leichnam Jesu: Maria, Maria Magdalena … bis hin zu Nikodemus. Sie alle richten sich auf den liegenden Leichnam Jesu aus. Für dessen Abbildung benutzte Overbeck ein Lebendmodell während der Schaffenszeit des Bildes.

Als Andachtsbild wurde es von der Stadt Lübeck im 19.Jh. in Auftrag gegeben - der Sohn der Stadt hatte in Rom einen solchen Ruf als Führungsfigur des (christlichen) Lukasbundes erreicht, dass man ein Gemälde von ihm auch in Lübeck wünschte. Als Andachtsbild kam es in die Marienkirche, anfänglich hinter einem kleinen Gitter und mit einem Vorhang inszeniert. Als solches hängt es heute in der Gebetskapelle der Kirche und erfüllt seinen Zweck, den Menschen zur Stille und Gebet zu bewegen, immer noch.

Dass ein solch kunstgeschichtlicher Schatz in der Kirche vorhanden ist (ein zweites Bild Overbecks, „Einzug Christi in Jerusalem“, verbrannte beim Bombenangriff 1942), ist wenig bekannt. Annette Gahn bedauerte, dass Overbeck - trotz des Bilderbestandes im Behnhaus - in Lübeck zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Sie hat damit sicher recht!


Text und Photos: Michael Leberke
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