Rainer Foß: Liturgie und Kirchenbau
Von der Erfindung unserer Kirchen

Das Christentum entstand aus kleinen Kreisen, die sich der neuen Religion zuwandten: erst rekrutierte es sich aus dem jüdischen Bereich, deren Vertreter eine Rückkehr Jesu zu Lebzeiten erwarteten, dann etablierte sich das Christentum als Weltreligion. Und entsprechend, so Rainer Foß, benötigten die Christen anfangs keine spezifischen Sakralräume, Hauskirchen reichten den kleinen Personenkreisen. Erst mit Konstantin dem Großen im 4. Jh. wurde es zu einer Staatsreligion, die repräsentativ und religiös ihre Macht demonstrieren musste.

So stammen die ersten Großkirchen aus dieser Zeit: Die Grabeskirche und Geburtskirche zeugen davon. Und es bedurfte einer Gottesdienstordnung, die erschaffen wurde: kein Sattessen, Brot und Wein wurde mitgebracht, gesegnet, gebrochen und geteilt, Auslegung des ATs. Es gab noch keine Priester, ein Mann fungierte als Vorsteher beim Gottesdienst. Durch Schaffung der kirchlichen Strukturen entstanden die Ämter der Priester, des Bischofs und des Papsts, die sich in Sukzession Christi verstanden.  Die Kirchengebäude wurden in einen profanen und einen sakralen Bereich geteilt. Orientiert wurde sich an bestehenden Basiliken, die als Gerichts- und Markträume genutzt wurden. Und von den Gerichtsräumen leitet sich auch die Architektur ab: Gab es beim Gericht an der Spitze der Gebäude den Richterstuhl, saßen hinter ihm Staatsbedienstete, um über die Rechtmäßigkeit des Urteilens zu wachen. Diese Ordnung wurde übernommen: Der Priester stand am Altar, dahinter in der Apsis gibt es die Darstellung Jesu, der „über das Geschehen wacht“.

Und diese Grundzüge bestimmen bis heute die Architektur der Kirchen und sind mit Grundlage der Gestaltung.


Text und Photos: Michael Leberke, Pixabay
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